Sitzungswoche
Wie sieht die Sitzungswoche für mich aus? Montags ist Anreisetag. Ich nehme für gewöhnlich morgens noch einen Wahlkreistermin wahr. In Berlin angekommen, gilt es die Post durchzuarbeiten, die meine Mitarbeiter schon auf dem Schreibtisch aufgetürmt haben. Außerdem muss ich mich auf die Themen vorbereiten, die in der Woche anstehen. Wie auch an den übrigen Abenden in Sitzungswochen gibt es eine Unzahl von Einladungen zu parlamentarischen Abenden. Einladende sind meist Vereinigungen, Verbände oder Industrie.
Dienstags geht es richtig zur Sache. Morgens beginnen die Facharbeitsgruppen der Fraktionen zu tagen, um die Ausschusssitzungen vorzubereiten und sich über Arbeitsziele zu verständigen. Ich muss um 9:00 Uhr zur AG Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Mittags bespreche ich mit meinen Mitarbeitern anstehende Fragen und Vorhaben meiner Berliner Arbeit und bereite ich mich auf die Fraktionssitzung vor, die anschließend um 15.00 Uhr stattfindet. Hier werden die Plenarthemen besprochen, strittige Fragen abgestimmt und die jeweiligen Redner benannt. Danach gehe ich in die Sitzung der Landesgruppe Niedersachsen, deren Vorsitzender ich bin. Gegen 19:00 Uhr tagt die Landesgruppe regelmäßig in der Landesvertretung Niedersachsen beim Bund. Hier wird vor allem beraten, wie die niedersächsischen Interessen möglichst effektiv vertreten werden können.
Mittwochs tagen vormittags die Ausschüsse. Ab 9.00 Uhr tagt der Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, immer im Raum Paul-Löbe-Haus 4.700. Ab und zu kommt auch der Landwirtschaftsminister, um Bericht zu erstatten, bspw. über die Ergebnisse des Agrar- und Fischereirates in Brüssel. Gegen 13.00 Uhr trifft zum ersten Mal der Bundestag zusammen. Es gibt die Fragestunde und ab und an auch eine "Aktuelle Stunde". Anschließend finden Gremiensitzungen statt oder ich arbeite Postmappen ab, die mir meine Mitarbeiter vorbereitet haben. Oft treffe ich auch Besuchergruppen aus meinem Wahlkreis. Meistens sind das Schulklassen, manchmal aber auch ein Chor, eine Selbsthilfegruppe oder auch ein SPD-Ortsverein.
Donnerstag trifft sich bereits um 8:00 Uhr der Vorstand der Landesgruppe. Der Rest des Tages ist weitestgehend dem Plenum vorbehalten. Weil wie an allen anderen Tagen Gespräche mit Interessenvertretern oder Kollegen zu führen sind bzw. weil die ganz normale Büroarbeit erledigt werden muss, können nicht immer alle Abgeordneten einer Plenardebatte folgen. Präsenzpflicht ist regelmäßig nur bei wichtigen Abstimmungen über Gesetze, namentlichen Abstimmungen und wenn über Themen debattiert wird, in denen der eigene Ausschuss federführend war. Dann sind die Fachleute unter sich. Übrigens: Parlamente, die immer bis auf den letzten Platz besetzt sind, gibt es nur in politischen Systemen, in denen die Parlamentarier nichts zu sagen haben. Der Bundestag ist ein Arbeitsparlament. Nachmittags trifft sich beispielsweise die Landesgruppe Niedersachsen mit niedersächsischen Verbänden, um sich mit den organisierten Interessen im Land intensiv auseinander zu setzen.
Freitag ist dann wieder Plenum, meist bis zum frühen Nachmittag. Danach geht es zurück in den Wahlkreis. Für mich heißt es jetzt, Koffer packen und zum Hauptbahnhof, um von dort nach Delmenhorst zu fahren. Hier wartet abends schließlich der erste Termin wieder auf mich.






